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Die drei Weisen im Oberland
2017-01-06 08:06
Redakteur
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Die drei Weisen im Oberland

Beinahe wäre Reith bei Seefeld heuer ohne Besuch der Sternsinger geblieben. Dass sich nun Kinder aus muslimischen Asylwerberfamilien dazu entschlossen haben, diesen christlichen Brauch fortzuführen, zeigt, wie Integration unter Kindern gelebt werden kann.

Traditionell halten österreichische Kinder die Legende der Heiligen drei Könige in Erinnerung indem sie zu Jahresbeginn als Weise aus dem Morgenland von Haus zu Haus ziehen, Segen spenden, Spenden entgegennehmen und dafür ihre Nachbarschaft mit Weihnachtsliedern erfreuen. Dieses Jahr jedoch stand Reith bei Seefeld kurz davor, keine Gruppe kleiner Sternsinger zu finden – bis sich Martina Lechner, Leiterin der Unterkunft für AsylwerberInnen in Reith, der Sache annahm.

Crashkurs im Sternsingen

Die Idee, geflüchtete Kinder als Weise aus dem Morgenland auf den Weg zu schicken, wurde von den Kids sofort freudig angenommen: Spontan erklärten sich zwei Mädchen und zwei Buben aus der Reither Unterkunft bereit, sich zusammen mit MitschülerInnen der Volksschule in den Dienst dieser Tradition und der guten Sache zu stellen. Nachdem den muslimischen Kindern der Grundgedanke der Aktion erklärt worden war, wurde auch schon eifrig diskutiert, wer nun Kasper, Melchior oder Balthasar sein will. Nach Lösung dieses ersten Problems konnte es aber noch immer nicht richtig losgehen: Die schon prunkvoll gekleideten Könige mussten sich erst dem Gesangs- und Texttraining der ehrenamtlichen UnterstützerInnen der Lernhilfe unterziehen. Schließlich waren die Kinder aber textsicher und es konnte endlich um die Häuser gezogen werden.

Helfen trotz der eigenen Not

Dass die Kinder den Gedanken der Nächstenliebe hinter dem Dreikönigssingen gleich verstanden hatten, stellten sie auf berührende Art unter Beweis. Von einer Dame aus Reith erhielt eine Gruppe etwa zusätzlich zur Spende einen kleinen Geldbetrag, um dafür kurz einkehren und sich etwas Süßes kaufen zu können. Für die Kinder war das jedoch kein Thema. Für sie war klar, dass auch dieses Geld in die Spendenkasse kommen sollte. Ähnliches erlebte man vonseiten einer Asylwerberfamilie aus Bangladesch: Am zweiten Tag der Aktion trugen die Eltern des Jungen, der auch Mitglied einer Sternsingergruppe war, ihm auf, auch von deren Seite einen Geldbetrag zu spenden. Dass sich trotz der eigenen schwierigen Lage bei Asylwerbenden eine solche Bereitschaft zu geben zeigte, war wohl eine schönsten Erfahrungen dieser Aktion.

Gemeinsame Traditionen

Aus Gesprächen mit den Eltern der Flüchtlingskinder hörte man heraus, dass diese auch vor ihrer Flucht in ihrer Heimat nie Probleme hatten, gemeinsame Feste mit Freunden aus anderen Religionsgemeinschaften auszurichten. Dieser Grundsatz zeigt sich auch immer wieder im Leben in unseren Unterkünften: Nach einigen Advents- und Weihnachtsfeiern in ganz Tirol ist die Sternsingeraktion in der Plateaugemeinde ein weiteres Beispiel für ein friedliches Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Religionen.

Das Team der Tiroler Soziale Dienste in Reith möchte sich bei allen an der Sternsingeraktion Beteiligten, bei allen Spenderinnen und Spendern und natürlich bei unseren kleinen Weisen aus dem Morgenland herzlichst bedanken. Wir freuen uns, dass wir die Kinder unserer Asylwerberunterkunft auf diese Art weiter in das Reither Dorfleben integrieren konnten und blicken nach einem solchen Start noch zuversichtlicher ins neue Jahr.

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In zahlreichen Tiroler Gemeinden befinden sich Unterkünfte für geflüchtete Menschen. Für die Betreuung ist die Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) zuständig. Die engagierten MitarbeiterInnen helfen diesen Menschen vor Ort, sich in Tirol einzuleben.

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