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Young Independent Living

Young Independent Living (YIL) - Tiroler Soziale Dienste

Young Independent Living: Ein Konzept mit Zukunft

Ein unscheinbares, schon etwas älteres Häuschen in Stams ist seit einigen Monaten mit neuem Leben erfüllt. Gleich hinter dem das Ortsbild prägenden Stift befindet sich eine Unterkunft für junge Asylwerbende. Ein kleines Gartentor führt über das naturbelassene Grundstück zur Eingangstür. Daneben lehnen Fahrräder und Skateboards.

Die Einrichtung der Unterkunft ist rudimentär aber charmant: Möbel wurden hauptsächlich aus Spenden organisiert, an den Wänden hängen zahlreiche Bilder und kurze Nachrichten, die das Zusammenleben regeln sollen. Während unseres Besuches sind keine der sechs jungen Asylwerbenden zuhause. Sie sind in Übergangsklassen, mykey- und Deutschkursen, erklärt Leiterin Angelika Obermair.
Stams ist keine gewöhnliche Unterkunft für unbegleitete minderjährige AsylwerberInnen. Wir lassen uns von Angelika die Idee hinter Young Independent Living (YIL) erläutern und bekommen erste Einblicke in die Erfolge des Konzeptes.

Eigenverantwortung statt Kontrolle

Im Grunde ist der Name Programm. Anders als bei Vollversorgerstrukturen, in denen unbegleitete minderjährige Asylwerbende sonst leben, funktioniert YIL eher wie eine Wohngemeinschaft für 16- bis 18-jährige Geflüchtete. Die Jugendlichen wohnen alleine, sind fürs Kochen, Putzen und die Instandhaltung ihrer 2-Bett-Zimmer und Gemeinschaftsräume zuständig. Angelika und ihre KollegInnen fungieren eher als BegleiterInnen: „Es geht viel um Beziehungsarbeit“, meint sie. „Wir wollen ihnen keine Arbeit abnehmen. Wichtig ist, dass wir Selbstständigkeit vorleben.“
Nachmittags stehen Angelika und ihr Team in der Unterkunft Frage und Antwort zu Schulaufgaben, zur Unterstützung bei Bewerbungsschreiben oder auch zu persönlichen Anliegen. Nächtliche Betreuung gibt es nicht – die Bewohner der Unterkunft sind selbst für ihren geregelten Alltag und Tagesablauf verantwortlich. 

Das Ziel ist es, den Jugendlichen durch die Möglichkeit der Selbstbestimmung Eigenverantwortung zu vermitteln. Im freien Zusammenleben lernen sie, Konflikte zu lösen, Entwickeln soziale Kompetenzen und nehmen ihre Zukunftsplanung selbst in die Hand. Dass das Konzept bisher vorbildlich funktioniert, liegt neben durchdachter und einfühlsamer Betreuungsarbeit auch an strikten Aufnahmebedingungen. 

Grundvoraussetzungen und Aufnahmekriterien

Besonders unbegleitete Minderjährige brauchen besondere individuelle Zuwendung. So dauert es bei manchen länger, bis sie sich in einem neuen Land zurechtfinden, bis sie eine neue Sprache lernen, bis sie in Krisengebieten und auf der Flucht Erlebtes verarbeiten können. Die Folge: Eine Unterbringung in der YIL Einrichtung ist nur für jene förderlich, die bereits in Vollversorgerstrukturen gezeigt haben, auf eigenen Beinen stehen zu können. Entsprechend, erklärt uns Angelika, wurden ihre Schützlinge genauestens ausgewählt.

Zu den Kriterien zählen

  • Deutschkenntnisse auf A2 Level
  • Bereitschaft sich an Verbindlichkeiten und Regeln zu halten
  • Persönliche Ziele: Was sind konkrete Wünsche, welche Interessen liegen vor, was möchten die jungen Asylwerbenden am liebsten weiter lernen? 

So konnten aus 21 Bewerbern schließlich zehn passende Kandidaten ausgewählt werden. Das große Interesse der jungen Asylwerbenden an der Teilnahme am Projekt zeigt, dass es für das Betreuungskonzept noch einiges an Potential gibt. 

Alltag in der YIL-WG

Wir fragen Angelika, wie denn der Alltag der zehn WG-Kollegen aussehe. Im Grunde, meint sie, sei untertags keiner der Jungs zuhause: Sie sind Teil des Programms mykey, ein ibis acam Projekt, das unbegleitete minderjährige Flüchtlinge durch schulische Weiterbildung und intensivem Deutschtraining auf die Lehre vorbereiten soll. Zusätzlich werden Übergangsklassen besucht und einer der Jungs, Mahdi, sucht bereits nach einer möglichen Lehrstelle. 

Und in der Freizeit? Angelika lobt vor allem die Kochkünste ihrer Schützlinge und freut sich, dass stets in Gemeinschaft gegessen wird. Gäste dürfen die Unterkunft in Stams jederzeit besuchen, während der Woche müssen sie diese aber abends gemeinsam mit dem/der BetreuerIn verlassen. An Wochenenden ist es den jungen Geflüchteten grundsätzlich erlaubt, Gäste auch über Nacht einzuladen, sofern sie sich vorher bei Angelika anmelden.

Zur gemeinsamen Freizeit- aber vor allem auch Haushaltsplanung hält Angelika jeden Mittwoch einen Runden Tisch ab. Hier werden Putzplan, Einkaufslisten, etwaige Stundenpläne und allfällige Eckpunkte zum Zusammenleben durchgegangen. Mittlerweile sei man in Stams ein eingespieltes Team. In der Anfangsphase war für Angelika klar, dass nur durch einen Vertrauensvorschuss ihrerseits Selbstständigkeit unter den Bewohnern entstehen könnte. 

Erste große Erfolge

Mojtaba beim Erlernen wichtiger Handgriffe

Einige Tage nach unserem Besuch in Stams erreicht uns eine weitere Erfolgsnachricht. Das viele Bewerbungsschreiben und die akribische Suche haben sich gelohnt: Mahdi hat offiziell eine Beschäftigungsbewilligung erhalten und arbeitet nun bei der Firma Elektro Rohner. Ähnlich Mojtaba, der eine Lehre als Friseur beim Unternehmen Kingston Style beginnen kann. „Mahdi ist übrigens von sich aus zum Bewerbungsgespräch gegangen und hat den Aufnahmetest gut gemeistert,“ schreibt Angelika sichtlich erfreut.  

Neben Stams betreiben die Tiroler Soziale Dienste in Kufstein eine weitere Young Independent Living Unterkunft. Die Motivation, eigenständig zu lernen und am gesellschaftlichen Leben in Österreich teilzuhaben ist besonders bei den Jüngsten von großer Bedeutung. Wir sind also stolz, dass das Konzept YIL so schnell Früchte trägt und freuen uns auf viele weitere Erfolgsgeschichten.

Über uns

In zahlreichen Tiroler Gemeinden befinden sich Unterkünfte für geflüchtete Menschen. Für die Betreuung ist die Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) zuständig. Die engagierten MitarbeiterInnen helfen diesen Menschen vor Ort, sich in Tirol einzuleben.

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